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Alkoholismus nur Symptom eines komplexeren Problems? , Autor -> Ceres

 
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Ceres
Admina


Geschlecht: Geschlecht:
Anmeldedatum: 19.06.2009
Beiträge: 2343
Wohnort: Harz/Sachsen-Anhalt

BeitragVerfasst am: Do 22.07.2010 09:54    Titel: Alkoholismus nur Symptom eines komplexeren Problems? Antworten mit Zitat

Ich kenne nur wenige Alkoholiker, die aus Gewohnheit abhängig wurden, die vorgestern ein Bier tranken, gestern eins und heute entsetzt feststellen, daß sie nicht mehr ohne weiteres aufhören können.
Die meisten mir bekannten Abhängigen haben gezielt getrunken und wollten damit etwas erreichen, und sei es nur das zeitweise Vergessen.
Ein Problem zu haben, heißt ja auch nicht immer, eine mitunter zeitweise psychische Störung aufzuweisen. Die Überforderung am Arbeitsplatz, sich beim Hausbau übernommen zu haben oder sich im ganz persönlichen Kämmerlein nicht geliebt, nicht geachtet oder nicht angenommen zu fühlen können ein Problem sein. Und der Alkohol die scheinbare Lösung nicht des Problems, wohl aber des Umganges damit.
Daß der Alkohol und die Abhängigkeit dann eigene Probleme schaffen, kommt noch hinzu.
Aber wenn der Alkohol erfolgreich aus dem Leben entfernt wurde, bleiben oft die eigentlichen Probleme übrig, und dann wird es Zeit, sich ihnen nüchtern zu stellen und sie endgültig zu bewältigen.

Für mich ist Alkoholismus nur die Spitze des Eisberges, der sichtbare Teil.
Aber um die Schiffahrtsstraße wieder befahrbar zu machen (um im Bild zu bleiben), muß ich den gesamten Eisberg beseitigen und nicht nur die Spitze abschlagen.

LG

Ceres
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Felidae
Gast






BeitragVerfasst am: Do 22.07.2010 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ceres, Hallo Ihr!

Das Thema beschäftigt mich auch schon länger. Der aus dem Ruder laufende (um beim Bild zu bleiben Wink ) Alkoholkonsum fing bei mir auch an, als ich mit Problemen nicht umzugehen wusste, bzw. keine guten Alternativen kannte.

Etwas anders sehe ich die Bewältigung der Probleme während des Trinkens. Für mich war es möglich eine Therapie in Anspruch zu nehmen und an meinen Problemen zu arbeiten, auch als ich noch getrunken habe. Es ist noch nicht alles im grünen Bereich, aber schon sehr viel geschafft in den letzten Jahren. Der Rest ,der nun nüchtern von mir angegangen werden kann, ist zum Glück für mich nicht mehr ein riesiger Eisberg der bearbeitet werden will, sondern es geht mehr um den Feinschliff. Das wird aber wohl von jedem anders erlebt.

Lieben Gruß und schöne trockene Stunden Euch!
Sabine
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Hekate



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldedatum: 25.06.2009
Beiträge: 1630
Wohnort: Baden-Württemberg

BeitragVerfasst am: Do 22.07.2010 18:15    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Aber wenn der Alkohol erfolgreich aus dem Leben entfernt wurde, bleiben oft die eigentlichen Probleme übrig, und dann wird es Zeit, sich ihnen nüchtern zu stellen und sie endgültig zu bewältigen.

Für mich ist Alkoholismus nur die Spitze des Eisberges, der sichtbare Teil.


Ja, für mich auch. Ich kann ja nun schon auf einige trockene Tage zurückblicken...und somit auch nüchtern auf meine (lange!) Trinkerzeit.

Ich selbst habe Alkohol sehr früh kennen gelernt. Mit 10 Jahren habe ich zum ersten Mal Alkohol probiert. Die Wirkung war fatal. War ich vorher traurig, einsam und verzweifelt, stellte sich bald darauf ein Gefühl der Geborgenheit ein. Als sässe ich auf Oma's Schoss und sie sagt: Alles ist gut.

Dann kam die Jugendzeit und Trinken war (zumindest in den Kreisen, in denen ich mich bewegte) normal, hat "einfach" dazu gehört. Schon damals habe ich auf Parties exzessiv getrunken, mehr als andere...war oft betrunken. Ja, so konnte ich vergessen, verdrängen...gehörte dazu...konnte Dinge tun, die ich nüchtern niemals gemacht hätte.

Auf irgendeine Art und Weise bin ich glaube ich in meiner Entwicklung damals stecken geblieben. Ich hatte ja fast immer eine Krücke - den Alkohol - auf die ich zurück greifen konnte, wenn mir das alleine laufen zu schmerzhaft oder anstrengend schien. Für mich war es - damals - die Rettung...ich habe mich nicht umgebracht und ich bin nicht verrückt geworden.

Doch ich habe es auch nicht mehr geschafft, diese Straße wieder zu verlassen. So wurde Alkohol erst mein Retter, dann mein ständiger (zuverlässiger) Begleiter - und doch führte mein Alkoholkonsum mich im Lauf der Jahre in die Abhängigkeit und zu meinem psychischen Untergang/ dem berühmten Tiefpunkt. Göttin sei Dank bevor ich daran gestorben bin oder irgendetwas furchtbares passiert ist.

Heute bin ich dankbar trocken...nicht immer nüchtern in meinen Gedanken und Gefühlen...und lerne langsam aber sicher, Verantwortung für mein Leben zu übernehmen und mich auch schwierigen Situationen ohne Alkohol - Keule zu stellen.

Es geht, immer für einen Tag.
Das reicht mir auch.

Liebe Grüße

Hekate
_________________
"Man kann das Leben nur vorwärts leben
und rückwärts verstehen"

Sören Kierkegaard
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Johanna




Anmeldedatum: 21.06.2009
Beiträge: 2548
Wohnort: zwischen Bergen und Seen

BeitragVerfasst am: Sa 24.07.2010 15:33    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Für mich ist Alkoholismus nur die Spitze des Eisberges, der sichtbare Teil.


Das war bei mir nur am Anfang so, später bestand der ganze Eisberg aus Alkoholismus mit allem, was dazu gehört.

Denn die Probleme, die mich wahrscheinlich zum Alkohol gebracht haben, verschwanden irgendwann im Lauf der 20 Jahre und übrig blieb wirklich nur die Sucht, aus der dann aber wieder neue Probleme entstanden.
Ich habe viel über Ursache und Wirkung nachgedacht.
Ursachen meiner Sucht war wahrscheinlich die kranke Familie (Vater nasser Alkoholiker, Mutter schwerst coabhängig).
Dann war mein Vater trocken, Mutter wieder gut drauf, ich längst ausgezogen -da hatte ich eigentlich keinen greifbaren "Grund" mehr zu trinken, war aber schon abhängig.

Und für die richtig bösen Probleme, die ich dann im Laufe der Jahre bekam, dafür sehe ich in erster Linie den Alkohol und seinen Einfluss auf mein gesamtes Leben als Ursache. Selbstbetrug, Zukunftsängste, mangelndes Selbstwertgefühl, Selbstzweifel, all der ganze Kram, den jeder Alkoholiker kennt.
Denn all das kann ich nun nach und nach ablegen, seit das Grundübel Alkohol verschwunden ist.

Ich bin aber davon überzeugt, dass jeder einen anderen Eisberg hat.

Liebe Grüße
Johanna
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Hoffnungsvolle




Anmeldedatum: 31.08.2010
Beiträge: 81

BeitragVerfasst am: Mi 08.09.2010 13:07    Titel: Antworten mit Zitat

Klares JA, ich denke auch, das Alkoholismus das Symptom von komplexeren Problemen darstellt. Vermutlich können oftmals nur diejenigen mit Alkohol umgehen, die keine größeren Lebensprobleme haben oder zu haben glauben...

Herzlichen Dank für die spannende Diskussion!
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Bikerchen



Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldedatum: 01.02.2010
Beiträge: 407
Wohnort: on the highway to live

BeitragVerfasst am: Mi 08.09.2010 15:04    Titel: Antworten mit Zitat

denke alkolismus ist nur ein Symton von einer anderen Störung , Minderwertigkeitsgefühl oder wie bei mir nicht umgehen mit Frust oder Agression.

Meine süchte sind nur das Grünzeug was über der Erde man sieht , aber die wurzel sind wo anderst , um da ran zu kommen muss man buddeln(Therapie , Psyschologe etc.)
_________________
Wer an die Quelle will muss gegen den Strom schwimmen Bikerchen
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